Ausbruchsmanagement zum sicheren Umgang mit Infektionskrankheiten
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Mitte Januar war erstmals von einem neuartigen Coronavirus, das in der chinesischen Metropole Wuhan aufgetreten war, die Rede. Seitdem beherrscht SARS-CoV-2 die Medien. Auch in Deutschland konnten nach Angaben des Robert-Koch-Instituts bereits 150 Infektionen nachgewiesen werden.

Auch hierzulande stellt Corona die Gesundheitsbetriebe vor große Herausforderungen. Um im Falle eines auffallenden Auftretens von Infektionskrankheiten eine weitere Ausbreitung zu verhindern, ist ein durchdachtes Ausbruchsmanagement unerlässlich. Wie medizinische Betriebe dabei am besten vorgehen und was im Ausbruchsmanagement nicht fehlen darf, haben wir für Sie zusammengetragen.

Was ist Ausbruchsmanagement?

Unter einem Ausbruch ist gemäß §6 Abs. 3 Infektionsschutzgesetz (IfSG) das Auftreten von zwei oder mehr nosokomialen Infektionen zu verstehen, „bei denen ein epidemischer Zusammenhang wahrscheinlich ist oder vermutet wird“. Das Ausbruchsmanagement umfasst folglich alle Maßnahmen, die dazu dienen, eine weitere Ausbreitung übertragbarer Krankheiten schnell und effektiv zu verhindern. Damit zählt das Ausbruchsmanagement gemeinsam mit den Maßnahmen der Prävention und der frühzeitigen Erkennung zu den Strukturen und Maßnahmen, die gemäß §1 IfSG dem Infektionsschutz dienen. Dabei geht es primär darum, eine systematische Vorgehensweise zur Vorbereitung auf bzw. für die Phase nach dem Eintreffen eines Auslöseereignisses zu entwickeln.

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Anfang des Jahres sorgt das neuartige Coronavirus weltweit für Beunruhigung. Wie können Krankenhäuser sich rüsten?

Erkennung von Ausbrüchen

Bei der Erkennung von Ausbrüchen ist die Surveillance nosokomialer Infektionen nach §23 Abs. 4 IfSG behilflich. Diese verpflichtet die Leiter medizinischer Einrichtungen dazu sicherzustellen, übertragbare Krankheiten fortlaufend und systematisch zu erfassen. Sollte man dabei ein gehäuftes Auftreten von Infektionen beobachten, lassen sich direkt relevante Angaben zu Art und Ansteckungsgefahr machen.

Auch medizinische Mikrobiologen bzw. Stationspersonal können einen Verdacht auf nosokomiale Infektionen mit epidemischem Zusammenhang äußern, wenn ihnen das Auftreten zweier oder mehr gleichartiger Erkrankungen aufgefallen ist.

In diesem Zusammenhang muss erwähnt werden, dass einige Infektionen schon bei vereinzeltem Auftreten als Auslöseereignis zu deuten sind (z.B. Legionellose und Aspergillose). Gleiches gilt für Infektionen mit Krankheitserregern mit speziellen Resistenzen und Multiresistenzen.

Mitglieder des Ausbruchsmanagement-Teams

Für die erfolgreiche Bewältigung des Ausbruchsmanagements ist es sinnvoll, ein Ausbruchsmanagement-Team bereits im Vorfeld eines Auslöseereignisses zu etablieren. Dieses hat die Aufgabe, allgemeine Schutzmaßnahmen an die jeweilige Situation anzupassen und umzusetzen und so den ärztlichen Leiter tatkräftig zu unterstützen.

Das Ausbruchsmanagement-Team setzt sich in der Regel aus Vertretern der Hygienekommission (Hygienebeauftragter, Hygienefachkraft, Krankenhaus- und Pflegedienstleitung etc.) und Mitarbeitern des Gesundheitsamtes zusammen. Je nach Auslöseereignis kann es zudem sinnvoll sein, weitere Personen wie Ärzte und Pfleger der betroffenen Stationen und zusätzliche Experten (z.B. des Robert-Koch-Instituts oder des Gesundheitsamtes) hinzuzuziehen.

Vorbereitung auf den Ernstfall

Um optimal auf den Ernstfall vorbereitet zu sein, sollten Gesundheitseinrichtungen schon vor einem möglichen Ausbruch einen Maßnahmenkatalog erstellen, in dem sie verschiedene fiktive Auslöseereignisse simulieren. Dabei sollten folgende Faktoren Berücksichtigung finden:

  • Festlegung von Auslöseereignissen
  • Strukturierung der erforderlichen Abläufe
  • Festlegung von Zuständigkeiten
  • Zusammenstellung einer Liste der im Ernstfall zu informierenden Personen
  • Entwurf einer internen und externen Kommunikationsstrategie
  • Festlegung der Abläufe zur Kooperation mit dem zuständigen Gesundheitsamt

Der Maßnahmenkatalog sollte in den Hygieneplan integriert werden und den zuständigen Mitarbeitern bekannt und jederzeit zugänglich sein. In regelmäßigen Abständen sollten Sie die Mitglieder des Ausbruchsmanagement-Teams anhand fiktiver Szenarien schulen. So lassen sich organisatorische Defizite und bestehende Wissenslücken rechtzeitig erkennen und beheben. Allgemein zugängliche Schriften zum Ausbruchsmanagement sollten immer an die jeweiligen lokalen Gegebenheiten der jeweiligen Einrichtung angepasst und die genauen Handlungsabläufe gemessen an dem konkreten Ereignis eingeleitet werden.

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Im Verdachtsfall ist schnellstmöglich zu klären, um was für einen Erreger es sich handelt – womöglich auch in Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsamt.

Ausbruchsmanagement bei vermutetem oder bestätigtem Auslöseereignis

Sollte der Verdacht einer nosokomialen Infektion aufkommen, sind die Inhalte des Maßnahmenkatalogs sofort umzusetzen. Dabei geht es zunächst darum, die in der Liste für den Ernstfall eingetragenen Personen über die gegenwärtige Situation zu informieren. Bedenken Sie, dass Sie bestimmte Krankheiten und Erreger dem zuständigen Gesundheitsamt melden müssen. Klären Sie deshalb auch unbedingt ab, um was für eine Art von Infektion es sich handelt und ob der Erreger bereits bekannt ist. Wenn das nicht der Fall ist, müssen Sie den Krankenhaushygieniker umgehend informieren, damit dieser abhängig vom Erreger neue Hygienemaßnahmen entwickeln kann.

Im Rahmen einer ersten Hygienebegehung können Sie den akuten Handlungsbedarf bestimmen und darauf basierend Maßnahmen entwickeln, mit denen sich die Weiterverbreitung des Erregers verhindern lässt. Das umfasst z.B. die sofortige Beseitigung technischer und struktureller Mängel, die Einhaltung strenger Desinfektionsmaßnahmen sowie die Isolierung infizierter Personen. Zeigen die veranlassten Maßnahmen Wirksamkeit, können Sie davon ausgehen, dass Sie den Erreger richtig identifiziert und geeignete Schutzmaßnahmen ergriffen haben.

Das Ausbruchsmanagement ist mit dem Rückgang der Infektion allerdings noch nicht beendet. Lassen Sie die veranlassten Kontrollprogramme und überwachende Vorsichtsmaßnahmen noch eine Weile weiterlaufen, bis Sie sichergehen können, dass der Ausbruch beendet ist. Vergessen Sie auch nicht, Verlauf und Ergebnisse des Ausbruchsmanagements intern zu dokumentieren. Dies dient der Verbesserung zukünftiger Ausbruchsszenarien und soll dabei helfen, das Ausbruchsrisiko möglichst gering zu halten.

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