Professionelle Pflege im demografischen Wandel
Gesundheitsschutz

Professionelle Pflege im demografischen Wandel

Der demografische Wandel ist in aller Munde und seine Folgen wirken sich negativ auf die unterschiedlichsten Bereiche aus. Davon betroffen ist nicht zuletzt auch die Pflegebranche. Inwiefern sich der demografische Wandel auf die professionelle Pflege auswirkt, haben wir für Sie zusammengefasst.

Immer weniger Pflegende für immer mehr Pflegebedürftige

Die demografische Entwicklung in der Bundesrepublik Deutschland ist besorgniserregend. Zwar stieg die Geburtenrate 2016 bereits das fünfte Jahr in Folge und lag zuletzt mit 1,59 Kindern pro Frau bei dem höchsten Wert seit 1973. Das ist aber vor allem darauf zurückzuführen, dass Frauen heutzutage insgesamt später Mutter werden, nämlich im Alter zwischen 30 und 37 Jahren, und sich gegenwärtig schlichtweg viele deutsche Frauen in genau dieser Altersklasse befinden. Auf lange Sicht muss jedoch bald wieder mit einem Rückgang der Geburtenrate gerechnet werden. Weiterhin ist das Ungleichgewicht in der Bevölkerung, das auch aus einer steigenden Lebenserwartung aufgrund besserer medizinischer Versorgung resultiert, groß. Ende 2015 galten rund 2,9 Millionen Deutsche als pflegebedürftig. Prognosen des Statistischen Bundesamtes zufolge steigt diese Zahl in den nächsten beiden Jahrzehnten auf etwa 3,4 Millionen an. Das hat vor allem für die Pflegebranche weitreichende Folgen.

Veränderte Familienstrukturen

Während zum derzeitigen Zeitpunkt noch circa zwei Drittel der Pflegebedürftigen von informellen Betreuern, meist engen Familienangehörigen oder Lebenspartnern, in den eigenen vier Wänden versorgt werden, muss man in den kommenden Jahren mit einem deutlichen Rückgang derer, die zu Hause gepflegt werden, rechnen. Die Ursachen dafür sind vielfältig und liegen nicht nur im demografischen Wandel begründet. Auch soziostrukturelle Faktoren sorgen für eine Verschärfung des Problems. Dazu zählt neben individualisierten Familienstrukturen, bei denen die erhöhten Scheidungszahlen in immer mehr Einpersonenhaushalten münden, auch die stetig wachsende Frauenerwerbsquote. Ihretwegen sind immer mehr Frauen voll berufstätig, so dass diesen schlichtweg die Zeit fehlt, sich um bedürftige Eltern, Großeltern oder andere Verwandte zu kümmern.

Pflegeberufe attraktiver machen

Gleichzeitig steigt auch der Altersdurchschnitt der professionellen Pflegekräfte immer weiter an, so dass viele Erwerbstätige im Bereich der Altenpflege schon heute die 50 Jahre überschritten haben. Hinzu kommt, dass der Beruf oft nicht im besten Licht dargestellt wird und deshalb gerade für junge Menschen wenig Anreize bietet, diesen Berufsweg einzuschlagen. Um den stetig steigenden Bedarf an professionellen Pflegekräften zu decken, ist es unerlässlich, die Attraktivität des Berufs zu erhöhen und Karriereperspektiven aufzuzeigen. Die Verbesserung der Arbeitsbedingungen, etwa durch Lohnerhöhungen oder eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie, bietet sich in diesem Kontext an. Außerdem wäre es denkbar, das derzeit noch sehr starre Pflegesystem, das eine strikte Trennung vollstationärer, professionell ambulanter und rein informeller Pflege vorsieht, flexibler zu gestalten und stattdessen auf eine Mischung aus professionellen, teilprofessionellen und ehrenamtlichen Hilfskräften zu setzen. Nicht zuletzt Zuwanderung und gezielte Integration nichtdeutscher Pflegekräfte sind wichtige Maßnahmen, die ergriffen werden können, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Nur so kann verhindert werden, dass es wegen immer mehr Pflegebedürftigen, die auf immer weniger Pflegende treffen, zu bedenklichen Engpässen und mangelnder Qualität in der Betreuung kommt.

Für mehr Informationen zu diesem Thema steht Ihnen unserer kompetenten Mitarbeiter gerne zur Verfügung!