Richtiger Umgang mit Bissverletzungen in der Veterinärmedizin
Gesundheitsschutz

Richtiger Umgang mit Bissverletzungen in der Veterinärmedizin

Bissverletzungen sind in der Veterinärmedizin keine Seltenheit. Umfragen haben ergeben, dass Tierärzte und Tiermedizinische Fachangestellte Tierbisse als größte Gesundheitsgefahr in ihrem Berufsfeld ansehen. Dabei ist zu beachten, dass Bissverletzungen keinesfalls unterschätzt werden dürfen, da diese mit einem hohen Infektionsrisiko verbunden sind, das schwerwiegende Folgen haben kann. So kommt es durchaus vor, dass die Amputation eines Fingers nach einem Katzenbiss wegen mangelnder Nachbehandlung eingeleitet werden muss. Wir erklären, was nach einem Tierbiss zu tun ist und wie Sie sich und Ihre Angestellten schon im Vorfeld schützen können.

Katzenbisse sehen oft harmlos aus aber

Die von Tierbissen ausgehende Gefahr darf nicht unterschätzt werden. Gerade Katzenbisse sehen oft harmlos aus, sind aber mit einem hohen Infektionsrisiko verbunden.

Nicht zu unterschätzende Gefahr

Bissverletzungen gehören bei Tierärzten und tiermedizinischen Fachangestellten zu den häufigsten Arbeitsunfällen. Rund drei Viertel aller von Tieren verursachten Verletzungen sind Bisse. Da der Großteil der Haustierbesitzer in Deutschland Hunde- und Katzenhalter sind, ist es nicht weiter verwunderlich, dass die meisten Bissverletzungen von Hunden und Katzen verursacht werden. Betroffene zogen sich diese meist an der Hand oder im Unterarmbereich zu. Auch wenn ein Biss auf den ersten Blick vielleicht harmlos aussieht, sollte man diesen keinesfalls auf die leichte Schulter nehmen. Gerade Katzenbisse sind unverzüglich zu behandeln, da das Infektionsrisiko enorm groß ist, wenn die langen spitzen Zähne tief ins Gewebe eindringen. Nicht nur Haut und Unterhaut, sondern auch Muskeln, Sehnen, Nerven und Knochen können hier geschädigt werden, was bei mangelhafter Nachbehandlung zu bleibenden Funktionseinschränkungen führen kann. Auch die Gefahr einer Tetanusinfektion oder Tollwuterkrankung, die im schlimmsten Fall tödlich enden, sollte man nicht außer Acht lassen.

Prävention von Bissverletzungen

Wo mit Tieren gearbeitet wird, bleiben Bissverletzungen nicht aus. Daher ist der veterinärmedizinische Arbeitgeber dazu angehalten, Präventionsmaßnahmen vorzustellen und Erste-Hilfe-Leistungen einzuleiten, um das von Tierbissen ausgehende Gesundheitsrisiko auf ein Minimum zu beschränken. Grundlage hierfür stellt die Gefährdungsbeurteilung dar, im Rahmen derer geeignete Arbeitsschutzmaßnahmen zu ermitteln sind. Auch technische, organisatorische und personenbezogene Schutzmaßnahmen zur Vermeidung von Tierbissen sollten hier Beachtung finden. Diese können je nach Situation, Erfahrung des behandelnden Tierarztes und Tierart unterschiedlich ausfallen.

Die wenigsten Tiere zeigen in ihrem gewöhnlichen Lebensumfeld aggressives Verhalten. Erst Angst, Schmerz und das ungewohnte Umfeld lösen eine derartige Reaktion aus, die auch oft für die Haustierhalter völlig überraschend ist. Tiermedizinische Fachangestellte sollten sich deshalb insbesondere bei der Behandlung von Katzen nicht darauf verlassen, dass der Besitzer dazu in der Lage ist, sein Tier richtig einzuschätzen und sicher fixieren zu können. Stattdessen ist es ratsam, auf bissfeste Handschuhe als Teil der Persönlichen Schutzausrüstung zurückzugreifen. Auch Maulkörbe und Halskragen gewährleisten ein gefahrenloses Arbeiten des anwesenden Personals. Um die Tiere nicht zusätzlich zu stressen, empfiehlt es sich, die Behandlungszeiten möglichst kurz zu halten, die Tiere korrekt zu fixieren und Hunde und Katzen im Wartebereich zu trennen. Erweist sich ein Tier als nicht händelbar, kann man eine Sedierung in Erwägung ziehen oder die Behandlung abbrechen und einen neuen Termin vereinbaren.

personenbezogene Schutzmaßnahmen

Um Bissverletzungen von Vornherein zu vermeiden, sollten geeignete technische, organisatorische und personenbezogene Schutzmaßnahmen ergriffen werden. Diese sind im Rahmen einer Gefährdungsbeurteilung zu ermitteln.

Vorgehen nach einer Bissverletzung

Sollte es trotz aller Vorsichtsmaßnahmen doch einmal zu einer Bissverletzung gekommen sein, ist eine frühzeitige und korrekte Wundversorgung zwingend notwendig. Als Erste-Hilfe-Maßnahme sollten Sie die Wunde mit Kochsalzlösung oder klarem Wasser gründlich spülen, um die Keimbelastung zu minimieren. Bei tiefen punktionsartigen Verletzungen wie sie bei Katzenbissen auftreten, sollte man dafür eine Spritze verwenden. Anschließend ist die Wunde mit einem sterilen Verband abzudecken. Die betroffene Person sollte daraufhin umgehend einen Durchgangsarzt aufsuchen, damit die Verletzung korrekt und rechtzeitig behandelt wird. Diese reicht je nach Schwere der Verletzung von der reinen Desinfektion bei oberflächlichen Wunden bis hin zu ausgedehnten Gewebeausschneidungen. Insbesondere bei Bisswunden im Handbereich wird der behandelnde Arzt darüber hinaus Antibiotika verabreichen, da das Infektionsrisiko hier grundsätzlich erhöht ist. Das ist auch bei schweren Verletzungen, immundefizienten Patienten und Katzenbissen der Fall.

Um einen reibungslosen unfallversicherungsrechtlichen Ablauf des Arbeitsunfalls zu garantieren, sollten nach der Erstbehandlung des Verletzten zusätzliche innerbetriebliche Schritte eingeleitet werden. In jedem Fall muss die Bissverletzung im Verbandbuch der Praxis festgehalten und der Unfall beim Versicherungsträger angezeigt werden. Auch der zuständige Betriebsarzt ist umgehend über die Geschehnisse zu informieren. Um die Arbeitsschutzmaßnahmen in Zukunft optimieren zu können, ist auch eine Aktualisierung der Gefährdungsbeurteilung ratsam.

korrekte Wundversorgung bei einer Bissverletzung

Eine zeitnahe und korrekte Wundversorgung ist im Falle einer Bissverletzung essentiell, um schwerwiegende Folgeerkrankungen auszuschließen.

Damit die Sicherheit in Ihrem Veterinärbetrieb dauerhaft gewährleistet ist, empfiehlt es sich, eine betriebsspezifische Gefährdungsbeurteilung durchzuführen. Auch regelmäßige Schulungen und Unterweisungen Ihrer Mitarbeiter sind wichtig, um die Unfallgefahr zu minimieren. Wir vom medical Büro für Arbeit & Umwelt Service GmbH können Ihnen dabei behilflich sein. Kontaktieren Sie uns gerne telefonisch, per Mail oder persönlich. Wir freuen uns, Sie kennenzulernen!